Die Rotary Clubs von Eupen und Sankt-Vith unterstützen die Rhetorika 2019

Foto: Ralf Schaus

Acht Finalisten der diesjährigen Rhetorika stellten sich der Jury und einem großen Publikum.

Für Aristoteles war die Rhetorik die Kunst der Überzeugung, nicht der Überredung. Am Samstag wandelten acht Abiturienten auf seinen Spuren. Die Rhetorika-Finalisten stellten sich der Jury und dem Publikum. Auf Platz eins wurde Romain Wiesemes gewählt. Er gewann auch den Publikumspreis. Auf Platz zwei kam Alice Fatzaun, dritte wurde Carla Scheiff.

Von Elli Brand

Erwartungsvolle Aufmerksamkeit herrschte im überfüllten Foyer des BRF. Tosenden Applaus spendeten die Zuhörer fast jedem Redner. „Erstaunlich, wie umfassend recherchiert die Themen sind“, und: „bewundernswert, wie redegewandt Abiturienten sind“ lauteten Kommentare des Publikums in der Pause. „Die Reden werden in jedem Jahr besser“, meinten Stammgäste der Rhetorika.

Drei Themen zur Auswahl hatten die Finalisten am Samstagmorgen bekommen. Ein regionales Thema war dabei, eins zum Weltgeschehen und ein gesellschaftlich relevantes. Das Thema „Alkohol vs. Cannabis – die legale Droge ist die Schlimmere“ hatte Romain Wiesemes, Schüler der Maria-Goretti-Sekundarschar in St. Vith, gewählt. Selbstsicher trat er ans Mikrofon. Schmunzelte, brachte die Zuhörer zum Lachen, indem er von Alkoholleichen im Karneval erzählte. Hatte schnell die volle Aufmerksamkeit des Publikums. „Besaufen, aber nicht kiffen?“ fragte er. „Was spricht gegen den Feierabendjoint zur Entspannung?“ Nicht mehr als gegen den Alkoholrausch, so das Fazit von Romain Wiesemes. „Die Menge macht´s.“ Er definierte den Begriff Droge, führte die Heilwirkung von Cannabis an. Sprach von der Liebe zum Bier und der Macht der Alkoholindustrie. Es sei nur eine Frage der Zeit, wann Cannabis auch in Belgien eine legale Droge sein werde, meint Romain Wiesemes.

Deutlich brachte auch Alice Fatzaun, Schülerin der Pater Damian Schule in Eupen, ihre Meinung zum Ausdruck, beim Thema „Strengere Führerscheinregeln für die Jungen: Und die Alten?“ Es habe lange gedauert, bis der fast hundertjährige Prinz Philip seinen Führerschein abgab, und zwar freiwillig. Doch auch Beispiele aus dem persönlichen Umfeld fehlten in der engagierten Rede von Alice Fatzaun nicht. Sie sprach Leute an, die sich mit der Begründung, sie seien ja geübte Fahrer, auch nach 30 Bier noch ans Steuer setzen. Auf die „geübten“ Fahrer, die vor Jahrzehnten ihre Fahrprüfung absolviert haben, ging die Rednerin besonders ein. Die meisten von ihnen hätten kein Problem damit, zuzugeben, dass sie nicht mehr in der Lage wären, zu fahren. „Die älteren Fahrer sind ein großes Risiko auf den Straßen“, so Alice Fatzaun. „Alle fünf bis zehn Jahre müsste die Fahrprüfung wiederholt werden“, fordert sie.

Mit starken Bildern begann Carla Scheiff, ebenfalls Schülerin der Pater Damian Schule in Eupen, ihre Rede. Schweine, die im Schlachthaus gequält werden, lebend in 60 Grad heißes Wasser geworfen werden und leidvoll ertrinken. Manchen von ihnen zappeln, an Haken aufgehängt, bis ihnen die Kehle durchschnitten wird. Betroffenes Schweigen und hohe Aufmerksamkeit im Saal. Und Carla Scheiff hatte mehr zu bieten als grauenhafte Bilder. Alle Aspekte ihres Themas „Laborfleisch, Genmanipulation, Massentierhaltung: Standard in 2050?“ waren in ihrer sehr gut aufgebaute Rede vertreten. „Bis 2050 soll sich die Fleischproduktion verdoppelt haben“, sagte sie. Und an der Uni Maastricht werde am „Labor-Burger“ geforscht. „Also ist das Grauen ganz nah“, bemerkte ein Zuhörer.

Aktuelle Themen hatten auch die anderen Rhetorika-Finalisten gewählt. Der Frage „Fischt Fischers Fritz bald nur noch Plastikfische?“ ging Emilia Oheim, Schülerin der KA Eupen, nach. Sieht fast so aus, denn die Zahlen, die Emilia Oheim präsentierte, sind erschreckend: 5,25 Billionen Kunststoffteile schwimmen in den Meeren herum. In jedem Jahr kommen 13 Millionen Tonnen Plastik dazu, hat sie recherchiert. In ihrem Vortrag rief sie Politiker und Konsumenten zum Umdenken auf.

„Erstaunlich, wie umfassend recherchiert die Themen sind“, und: „bewundernswert, wie redegewandt Abiturienten sind“ lauteten Kommentare des Publikums.

Das Thema „Fußball als Religion: Nichts geht über meinen Verein!“ hatte Deborah Kaut, Schülerin der Maria-Goretti-Schule St. Vith, gewählt und prangerte engagiert die Verehrung von Fußballspielern als Fußballgötter und Kultfiguren an. Fußball als Sport finde sie gut, aber als Religion? Der Wert des Fußballs sei völlig überzogen, meint sie.

Wer der heutigen Jugend Desinteresse an Politik vorwirft, wurde beim Rhetorika-Finale eines Besseren belehrt. Kolja Schumacher, Schüler des KA St. Vith, nahm Stellung zu der Frage „Grundeinkommen: Sozialsystem des 21. Jahrhunderts?“. Simon Veithen, Schüler der Pater Damian Schule Eupen, rekapitulierte alle Schritte in Richtung Brexit, mit Theresa May im Fokus. Titel seiner Rede: „Theresa May: Hoch gepokert, tief gefallen?“. Er musste zugeben: „eine komplexe Problematik.“ Zuhörer fanden: „Er hat sie sehr gut erklärt.“ Von England ging es nach China. Raphael Scholzen, Schüler der BS St. Vith, ließ die Zuhörer ahnen, wie ihr Leben aussehen könnte, wenn sich neue Technik und ein totalitärer Staat zur totalen Kontrolle über die Bürger zusammenfinden. „Sozialkreditsystem in China: der gläserne Bürger“ lautete das Thema seiner Rede.

Freudige Gesichter, viel Lachen und gegenseitige Gratulation gab es nach der Preisverteilung. Alle Teilnehmer des Rednerwettstreits fühlten sich als Sieger. „Ich habe viel gelernt“, hieß es immer wieder. „Der Sieg war relativ unterwartet“, sagt Romain Wiesemes. „Dennoch bin ich ein bisschen stolz auf mich selbst.“ Und das Lampenfieber habe sich in Grenzen gehalten.

Quelle: GrenzEcho

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